Op jöck met "De Räuber"
Seit Jahren gehören die Räuber
zum kölschen Kleeblatt und sind aus dem Kölner Karneval nicht mehr weg
zu denken.
Mrs Q hat die Mundartgruppe einen Tag
begleitet:
Am Nachmittag finden sich die
Mitglieder der Räuberbande mit einem fröhlichen Hallo am
Treffpunkt ein. Der Technik-Bus hat sich bereits auf den Weg Richtung
Kürten gemacht. Kurt Feller übernimmt das Steuer des
Künstler-Vans und bringt die Band sicher zum ersten
Auftrittsort. Dort werden sie schon sehnsüchtig am Eingang
erwartet: „Ich brauche Euch im Sommer zum 50. Geburtstag meiner
Nichte. Sie hat alle Platten und CDs von Euch und es ist ihr größter
Wunsch.“ Räuberhauptmann Charly Brand nimmt die Anfrage
entgegen und nach Kaffee und zahlreichen Autogrammwünschen geht
es auf die Bühne. Die jecken Wiever der Karnevalsfreunde Bechen,
mitsamt Karnevalsprinzessin in der ersten Reihe, lassen ihrer
Begeisterung freien Lauf. Der mutige Schritt der Musiker, drei neue
Lieder ins halbstündige Sessionsprogramm aufzunehmen, geht auch
im Umland von Köln völlig auf. Die neue CD „a la carte“
ist gefragt.
Während der Fahrt zum nächsten
Auftrittsort ruft Sohn und Manager Michael Brand an. Die Band soll
sich entscheiden, mit welchem Lied sie bei „Top Jeck“ an den
Start gehen möchte. Der Konsens ist schnell gefunden: „Sing,
kölsche Jung sing“ wird bei der Karnevalshitparade von Radio
Köln zur Wahl stehen. Im Festzelt von Lindlar angekommen werden
die Räuber von der Backstagecrew und Kollegen aus Köln
herzlich begrüßt. Der Auftritt ist an diesem Abend nicht
mehr zu toppen – das Zelt bebt und nach der letzten Zugabe starten
die feiernden Mädels selbst eine Rakete. Charly Brand hat es
schwer, wieder zurück in den Backstagebereich zu kommen. Frauen
mit Kameras stehen Schlage, um sich mit ihm ablichten zu lassen,
darunter eine Truppe mit 20 Fans, die aus dem Lied „Schade“ ein
Kostüm gemacht haben. In Räuberhemden, Bergsteigerhüten,
Rucksäcken und dem Aufdruck „Schade, einer muss immer
verlier'n“ umringen sie den Räuberhauptmann. Die Zeit drängt,
denn die Musiker werden im Aufnahmestudio von Radio Bonn/Rhein-Sieg
erwartet. Doch trotz Eile kommt die Stärkung nicht zu kurz –
schnell packt die Backstagecrew ein Schnitzel für unterwegs in
Alufolie ein. „Bei einer Mädchensitzung hat ein Redner nur im
ersten Drittel eine Chance, die Mädels wollen einfach feiern.“
kommentiert Charly Brand die bombastische Stimmung. „Bei einem
solchen Krach kann ich nicht arbeiten.“ witzelt Kurt Fellen, immer
noch high von dem Empfang, hinterher. Auch wenn es einmal knapp wird,
er hält die Geschwindigkeitsbegrenzungen ein: „Das ist einfach
sicherer und es reicht, dass wir trotz Sondergenehmigung immer wieder
Park-Knöllchen kriegen.“ Wie auch später an diesem Abend
in Köln.



Fotos: Annette Quast
Aber jetzt erst einmal nach Bonn. Beim
Sender eingetroffen bringt Redakteur Volker Groß die
Bandmitglieder ins Studio und beginnt direkt mit der Aufzeichnung für
Rosenmontag. Er ist neugierig darauf, ob die Musiker nach so vielen
Jahren immer noch Spaß auf der Bühne haben, wie die
Stimmungsunterschiede von Prunk- und Kostümsitzungen sind, wer
das „Fegerlied“ verursacht hat und einiges mehr. Jeder Räuber
kommt zu Wort und Wolfgang Bachem verkündet stolz, dass er als
Mitglied der Großen Kölner im Rosenmontagszug reitet.
Charly Brand spricht die Ansage für den eigenen Musiktitel ein,
dann wird noch schnell ein Erinnerungsfoto gemacht und schon befindet
sich die Räuberbande auf dem Weg nach Köln. Im Van breitet
sich die Vorfreude auf das leckere Gulasch vom Chefkoch des Sartory
aus. Erfreulicherweise hat sich der Programmablauf ein wenig
verzögert, so dass die Musiker eine kurze Pause mit Suppe, Cola
und einem Kölsch (mehr aber auch nicht) im Künstlerbereich
genießen können. Zum Finale der Sitzung bringen die Räuber
den Saal Kölnischer Mädels zum Kochen und ernten jede Menge
Strüssjer. Durch die Verzögerung wird es wieder eng, doch
pünktlich auf die Minute erreichen sie das Maritim. Die erste
Nicht-Mädchensitzung des Abends steht bevor. Die Stimmung ist
wieder famos und mit der Trömmelchen-Zugabe startet eine große
Polonaise durch den Saal. Auf dem Weg zurück zum Van gesteht
Kurt Feller: „Jetzt hätte ich Lust auf einen gemütlichen
Wein. Früher haben wir es zwischen den Auftritte immer
geschafft, ein Steak oder so essen zu gehen.“. Mittlerweile bekommt
die Band 650 Anfragen pro Session, absolviert davon 200 Auftritte und
ist auch schon für 2011 so gut wie ausgebucht. „Es ist eine
schöne aber auch anstrengende Zeit, da freut man sich schon ein
wenig auf den Urlaub nach Karneval.“ führt der Mitbegründer
und Keyboarder weiter aus. Zwischenzeitlich haben es auch die anderen
Räuber durch den Trubel der Sitzungspause geschafft und die
Fahrt geht weiter zum letzten Auftritt nach Dünnwald. Die Mädels
des Elferrates stehen schon beim Einmarsch auf den Stühlen und
zum guten Schluss mussten direkt zwei Zugaben her. Das Tagessoll ist
nun erfüllt und der Feierabend naht. Der Treffpunkt für den
kommenden Tag wird noch fest gelegt und die Besetzung der Vans
umverteilt, damit jeder gut nach Hause kommt.
Fazit: Ein toller Tag mit spannenden
und interessanten Eindrücken. Sowohl die Räuber als auch
ihre Crew beherrschen ihr Handwerk in Vollendung und sind ein
eingespieltes Team mit Garantie zur Bombenstimmung. Man darf auch
bereits auf das 20jährige Bühnenjubiläum im Sommer
2011 gespannt sein.
Herzlichen Dank für diesen
Einblick hinter die Kulissen und noch eine tolle Session!