Tommy Engel lieferte Konzert der Spitzenklasse im Kölner Tanzbrunnen.
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„Ich ben keine Engel“ – mit diesem Song eröffnete das Kölner Urgestein Tommy Engel samt seiner Band am Samstag (2. Juli) das zum Brauchtum gewordene Konzert auf Kölns beliebter Open-Air-Bühne. Die über 4.000 Fans stimmten direkt mit ein. Beim folgenden „Ich han leever“ bahnte sich sogar die Sonne einen Weg durch den bedeckten Himmel. „Ich möchte auch die Leute begrüßen, die von weiter her angereist sind, aus BM, SU, EU und GM. Dat nächste Lied is für alle, die im Outback dieser Stadt wohnen.“, moderiert Tommy Engel den Coversong des aktuellen Albums „Dummer nit esu“ an, mit einem verschmitzten Lächeln und Blick auf den Dom versteht sich.
Und nicht nur die altbekannten und neuen Lieder machten den Abend zu etwas Besonderem, dafür sorgten ebenfalls die Engel’schen Anmoderationen, Anekdoten, kleine Tanzeinlagen sowie Überraschungsgäste. So durfte natürlich auch eine kleine Auswahl an LSE-Songs nicht fehlen. Bei „Für et Hätz“ überzeugte der Sänger und Musiker mit einem tollen Mundharmonika-Solo und kurz darauf erschien er im passenden Outfit zum „Saunaboy“. „Eigentlich wollte ich einen rosa-farbenen Bademantel tragen, wir haben ja CSD.“, so Tommy Engel und macht sich sogleich Gedanken über sein junges Publikum: „Wie erkläre ich das den Kindern? Es handelt sich um einen Bordell-artigen Barbetrieb, das dürfen die Eltern später ihren Kindern erklären.“ Die ersten Swing-Töne des Songs erklangen und Tommy stellte unter Jubel des Publikums seinen Hüftschwung unter Beweis.
Nun standen zwei noch ältere Leedcher op dem Programm. „Manche Lieder muss man einfach spielen, die Leute sind daran gewöhnt, damit aufgewachsen. Dat süht mer he, manche sind sogar älter wie ich.“, betont das Kölsche Urgestein und stimmt „Katrin“ an. Der Tanzbrunnen-Chor bestätigte seine Anmoderation sogleich und dann wurde es nostalgisch auf der Bühne. Da die afrikanische Kombo LADYSMITH BLACK MOMBAZA vor langer Zeit DE BLÄCK FÖÖSS beim kölschen Evergreen „Drink doch eine met“ begleitete, ließ es sich Tommy Engel nicht nehmen, den „Aale Mann“ auf Sulu zu intonieren und die damaligen Tanzschritte zu präsentieren. Ein herrlicher Augen- und Ohrenschmaus! Ein paar Lieder später verwöhnte er die Fans mit seinem Anblick im Frack mit Einstecktuch, offener Fliege und weißen Schal. Dazu brillierte er von „Kaczmarek“ über „Alles netto“ bis hin zu „Nessun Dorma“, mit dem Paul Potts das Publikum in der Casting-Show BRITAIN’S GOT TALENT für sich gewann. Letzteres hieß bei ihm jedoch „Tässchen Doornkaat“. Nachdem der letzte Ton des Klassik-Stückes verklungen war, brach das Publikum erneut in Jubel aus.
Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit „Ich han nen Deckel“ und „Minge Vatter“, eine persönliche Hommage an das Familienoberhaupt von 10 Pänz und den Sänger der VIER BOTZE. Und bei so vielen Erinnerungen gehörte selbstverständlich auch Trude Herr mit in die Runde. „Wenn ich die Augen zumache, sehe ich sie vor mir. Sie betonte immer, dass sie auch Hochdeutsch sprechen könne, so zum Beispiel ‚Schatz, ich mache Dir heute Suurbrode.‘“, imitiert der Sänger das kölsche Original und gibt zur großen Freude des Publikums „Die Stadt“ sowie „Manchmol“ zum Besten. Danach folgten weitere Songs aus dem aktuellen Album wie „Hypochoner“ oder „Charakter-Köpp“.
Neben den in Erinnerung gerufenen Persönlichkeiten sollten jedoch auch leibhaftige Überraschungs- gäste den Abend bereichern. Dazu hatte Tommy Engel eine Abordnung des Kölner Männer-Gesang-Vereins (KMGV) eingeladen. Und nicht nur das - unter den Besuchern des Tanzbrunnens hatte der Bandleader seinen ehemaligen FÖÖSS-Kollegen Erry Stoklosa entdeckt und bat ihn auf die Bühne. So sangen sie „Ming eetste Fründin“ (der Text stammt sogar aus der Feder von Erry Stoklosa), „En uns‘rem Veedel“ und „Du bes Kölle“, sowohl gemeinsam als auch abwechselnd mit Begleitung des KMGV. Auch bei den Mundharmonika-Soli wechselten sich die beiden Sänger und Musiker freundschaftlich ab. Dieses abschließende Highlight verursachte nicht nur Gänsehaut auf der Bühne, auch das Publikum war sichtlich angetan von dieser spontanen „Gesangsverstärkung“. Passender konnte die Zugabe „Niemals geht man so ganz“ gar nicht sein. Das allerletzte Stück „Solo“ präsentierte der Frontmann jedoch nur mit Jürgen Fritz, dem Pianisten, Komponisten und musikalischen Leiter der Band.
Fazit: Tommy Engel & Band boten den Fans im Kölner Tanzbrunnen ein spitzenmäßiges und musikalisch abwechslungsreiches Konzert mit Anekdoten zum Schmunzeln und tollen Überraschungsgästen. Es spricht zudem für sich, dass sich der bedeckte Himmel zum guten Schluss in ein herrliches Abendrot verwandelte, was für ein Anblick!
(Fotos: Annette Quast)