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"Oskar"- Zeichner Otto Schwalge feiert seinen 90. Geburtstag.

Wenn Jemand ein solch hohes Alter erreicht hat, sollte man meinen, dass dieser in vollen Zügen seinen Lebensabend genießt. Nicht so Otto Schwalge, er kann es nicht lassen – nach wie vor zeichnet er Geschichten von „Oskar, der freundliche Polizist“ für den Kölner Stadt-Anzeiger, karikiert Künstler für die Karnevals-Kölschgläser der Sparkasse KölnBonn und entwirft Karnevalsorden.

„Schon als Kind war ich eine Leseratte, in der Zeitung 'Fliegende Blätter' holte ich mir Anregungen für meine Zeichnungen.“, erzählt der gelernte Grafiker. So kam es, dass er bereits im Alter von vier Jahren seine Umwelt genau beobachtete und Menschen zeichnete bzw. karikierte, die ihm über den Weg liefen – den Kohlemann, den Eismann, den Orgelspieler im Hof oder den Milchmann sowie später auch seine Lehrer. Nach der Schule arbeitete der gebürtige Deutzer in einer Agentur, dort zeichnete er Autos und LKWs, doch schnell war den Mitarbeitern klar, das ist nicht das Richtige für den Jungen. Sein Vater erkannte dies ebenfalls und sprach mit ihm beim Professor der Kölner Werk- schule vor. Dieser attestierte Otto Schwalge Talent und von da an lernte er sein Handwerk von der Pike auf, drei Semester lang. Dann kam der Zweite Weltkrieg, er absolvierte seinen Dienst als Soldat und kehrte nach kurzer Kriegsgefangenschaft im Jahr 1947 nach Köln zurück. Frohen Mutes wollte er seine Studien an der Werkschule fortsetzen, doch bei seiner Bewerbung konnte er keine Zeichnungen vorweisen, da diese während des Krieges verbrannt bzw. verloren gegangen waren. So gab der Professor dem jungen Mann drei Kastanien und forderte ihn auf diese zu zeichnen. Gesagt, getan und überzeugt – Otto Schwalge durfte seine Ausbildung zu Ende bringen.

Im Jahr 1951 begann der Grafiker seine Tätigkeit beim Verlagshaus DuMont Schauberg. Kölner Lokalereignisse, besonders politischer und skurriler Natur, bannte er fortan für den Kölner Stadt-Anzeiger in einen Block von vier Zeichnungen. „Diese Themen waren mein eigentliches Hauptan-liegen, doch in 2000 wurden die Karikaturen aus Sparsamkeit eingestellt. Ich habe das jahrzehnte- lang gemacht.“, berichtet der heutige Rodenkirchener. Doch Otto Schwalge hat ja noch seinen legendären „Oskar, der freundliche Polizist“. 1954 hatte der Zeichner die Idee, einen Schutzmann auf Papier zu bringen. „Ich wollte das Bild des Polizisten mildern, ihn in anderen Tönen auf die Straße bringen.“, erklärt der Erfinder der KStA-Kult-Figur seine damalige Intention. „In meiner Kindheit waren die Polizisten noch mit Pferd, Säbel sowie weißen Handschuhen ausgestattet und Anfang der 50er durften Männer keine Schnurrbärte tragen. Dies sah ich als gute Kombination.“ Doch irgendetwas fehlte noch. Ein unverschuldeter Autounfall sollte Abhilfe schaffen, denn auf der Polizeiwache traf Otto Schwalge auf Oskars Vorbild: Ein älterer, wohl- beleibter Polizist nahm in aller Ruhe das Protokoll auf, mit einem Finger auf der Schreibmaschine. Er erzählte dem Beamten von der Idee und dieser schlug begeistert den Namen Oskar vor. Seitdem sind die Bildergeschichten des freundlichen Polizisten aus der Kölner Tageszeitung nicht mehr wegzu-denken, 2.500 Oskar-Zeichnungen entstanden mittlerweile auf dem Zeichen- tisch des Rodenkircheners. In verschiedenen Büchern, darunter eine Version für den Englisch-Unterricht an Schulen, als Pin für ehrliche Finder und auf Orden findet sich die Figur wieder. 1993 taufte die Polizei sogar ein Boot auf den Namen Oskar. „Wenn ich den Polizisten später auf seinem weißen Moped bei seiner Streife traf, fragte er mich immer 'Wat mät d'r Oskar?“, erinnert sich Otto Schwalge. Diese Figur hat ihn nicht nur in Köln bekannt gemacht, sondern brachte ihm sogar das Bundesverdienstkreuz ein. In diesem Rahmen überreichte ihm die International Police Association (IPA) eine zwei Zentner schwere Oskar-Figur, die in der Dombauhütte aus dem selben Sandstein wie der Dom gegossen wurde, und nun das Haus des Ehepaares Schwalge „bewacht“. Und dies ist nicht die einzige hohe Auszeichnung, die dem Illustrator zu teil wurde. Da er siebenundzwanzig Jahre lang Vorlagen für den Bau der Rosenmontags-Persiflagewagen für die Zugleitung des Festkomitee Kölner Karneval von 1823 entwarf, gehört er zu den Trägern des Verdienst-ordens in Gold. „Es gibt Nichts, was ich an Themen nicht gezeichnet habe.“, erklärt der noch aktive Freiberufler. Auch die Heinzelmännchen-Motive, die das ein oder andere Souvenir im Bürgerladen der Stadt Köln zieren, stammen aus seiner Feder. Die Liste seiner Illustrationen ist endlos. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Lesen immer noch seine größte Leidenschaft ist. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!


(Foto und Repros: Annette Quast)