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Die Kölsche Witwe“: Cäcilia Wolkenburg feierte Premiere.


Seit dieser Spielzeit ist Kalle Kubik der neue Regisseur der Theater-abteilung "Cäcilia Wolkenburg" des Kölner Männer-Gesang-Vereins (KMGV). Und nicht nur das - die vielen Schlaglöcher des kalten Winters 2010, die leeren Kassen und ein ungenannter Sponsor, der die Stadt Bonn mit einer großzügigen Spende unterstützte, inspirierten ihn zum aktuellen Stück, das er in Anlehnung an „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar sowie Dürrenmatts "Besuch der alten Damen" selbst schrieb.


Zum Inhalt:


Wir schreiben das Jahr 1873. Ganz Deutschland und auch Köln werden vom ersten Börsencrash heimgesucht. Nach einer turbulenten Rats- sitzung jammern zehn Ratsherren und der Oberbürgermeister in einem Kölner Brauhaus über die katastrophale Haushaltslage der Stadt. Da erinnert man sich, an „Dat fussisch Mariechen“ aus dem Severinsviertel, die vor ein paar Jahren wegen einer unglücklichen Liebe nach Düsseldorf gezogen ist und dort einen steinreichen Senf- fabrikanten geheiratet hat, der noch in der Hochzeitsnacht verstarb. In der Hoffnung, die Witwe möge sich an ihre „Kölner Wurzeln“ erinnern und vielleicht ihrer Geburtsstadt finanziell unter die Arme greifen, beschließt man, die „Senf-Baronin“ einzuladen. Diese folgt der Einladung und sorgt für Turbulenzen, mit denen die Gastgeber nicht gerechnet haben. Eine Überraschung jagt die nächste, doch am Ende wird alles gut.


Wie man es vom Divertissementchen gewohnt ist, spielt die Geschichte auch diesmal in einer früheren Zeit, doch Anspielungen auf die aktuelle Stadtpolitik gehören selbstverständlich dazu. So reden die Ratsherren unter anderem über das Schauspielhaus, die Frage, ob die Kölner Oper vorübergehend in Bonn unterkommen soll oder die Straßenschäden. Die Köpfe rauchen und in Kölsch-sowie-Eierlikör-Laune liegen sich die Herren samt Fräulein Sieglinde Puff, Sekretärin des OB, Syrtaki-tanzend und „Machen wir et wie Athen“-singend in den Armen. Solche Szenen machen den Charme der KMGV-Inszenierungen aus, ebenso die Namensfindungen (Baronin Marie Antoinette Lione a la Moutarde de Village Dussel, Bankdirektor Baetes Ippenheim, Oberbaudirektor Cajus von der Leyen oder Brauereibesitzer August Puffelskooche). Die Musik reicht von klassisch über Kölsch bis modern und birgt besondere Schmankerl. So wird aus „Big Spender“ „Im Vringsveedel“ oder aus „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ „Ihr wollt doch bloß ming Jeld un sonst jar nix“. In der Liedzeile „Männer umschwärmen mich wie Motten das Licht“ kommt dann auch das Ballett mit einem Bestäubungs-Tanz zum Einsatz. Ein „Ich werde 1000 Jahre alt“-singender Joopi peppt die Szenen ebenso auf wie die Tanzeinlagen des Balletts. Da wibbeln sogar die Jungfern mit den Turnern, die Haupt-Bautänzerin entpuppt sich als Stepperin und die Heinzelmännchen fungieren in der verbotenen Stadt als „Löwensenf“-Gastarbeiter. Sogar donnernden Applaus erntet der engagierte Tenor mit seinem „Nümaat“-Lied, intoniert auf dem Fest in der Senf-Villa zu Düsseldorf.


Fazit: Das Team bestehend aus Kalle Kubik (Regie und Libretto), Thomas Guthoff (Musikalische Arrangements), Bernhard Steiner (Musikalische Leitung), Helmut Löffel (Liedtexte), Michaela Niederhagen (Choreographie) und Zillchen-Baas Mike Koch (Gesamtleitung) sowie die zahlreichen Mitglieder des KMGV garantieren für einen wunderbaren Abend in der Oper Köln.



Weitere Vorstellungen "Die Kölsche Witwe" bis einschließlich Karnevalsdienstag.





(Fotos: Annette Quast)

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Für Nicht-Kenner: Beim Divertissementchen handelt es sich um eine ganz eigene Art von Musiktheater, der Operette oder mehr noch dem älteren Vaudeville verwandt. Das kölsche Theaterstück stellt meistens ein Ereignis aus der Stadtgeschichte auf komisch-parodistische

Weise dar und wird durch das Ballett, Männern in Frauenrollen und den typischen „Zillche-Mix“,

eine musikalische Mischung aus Operette, Evergreens, Karnevalsliedern und ab und an einem

Hit aus den Charts, aufgepeppt. Ein Besuch lohnt sich!