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"400 Jahre Sex in der Oper" von und mit Opernkabarettistin Katharina Herb.

Neben eingefleischten Fans lockte das Plakat des vierten Bühnenprogramms der Opernkabarettistin Katharina Herb viele Besucher in das Kölner Senftöpfchen-Theater. Oper auf einer Kleinkunstbühne, noch dazu zum Thema Sex und kabarettistisch aufbereitet ist eben nicht alltäglich!

Höchst erotisch startet das Programm auch sogleich, denn die Mezzo-Sopranistin erscheint im Mieder auf der Bühne. Nun wird den Gästen klar, warum Techniker und Souffleur Marc A. Leopold bei den einführenden Worten seine Tätigkeit als persönlicher Garderobiere mit einem breiten Grinsen betonte. Passend zur Arie "Cold Genius" aus der Oper "King Arthur" schnürt er das Mieder fester, und hilft der singenden Diva ins bereit liegende Abendkleid. "Das war die erste SM-Szene innerhalb einer Oper" erklärt die gelernte Opernsängerin, und hat damit die Lacher direkt zu Anfang auf ihrer Seite. Was genau es mit Opernkabarett auf sich hat, weiß spätestens nach der phonetischen Interpretation von "Königin der Nacht" aus der "Zauberflöte" auch der letzte Zuhörer im Saal.

In der Gestaltung des Abends hält sich die Kabarettistin an die Gepflogenheiten der Oper, und teilt ihr Programm in drei Akte ein. Akt I bestreitet "Carmen, die Mutter allen Sexes in der Oper" so Katharina Herb. Dabei brilliert sie nicht nur in der deutschen Fassung der berühmten Carmen-Arie, sondern schlüpft ebenso szenisch und gesanglich in die Rollen der beiden Liebhaber Don Rosé und Escamillo. Zu dem bringt sie die Werke "Troubadur" von Giuseppe Verdi (Akt II) und "Ring der Nibelungen" von Richard Wagner (Akt III) sowohl in Kurzfassung auf den Punkt als auch die Absurditäten zu Tage. Ist es logisch, dass eine Sterbende noch singen kann oder eine Mutter versehentlich das eigene anstatt das entführte Baby ins Feuer wirft? In der Welt der Oper anscheinend schon! Soviel zu den Klassikern. Als Zugabe präsentiert die Opernkabarettistin den Song "Diva Dance" aus dem Film "The Fifth Element" mit Bruce Willis. "Man sagt, keine menschliche Stimme könne dies singen. Bis auf 2 % kriege ich das hin." beteuert die Mezzo-Sopranistin, und beweist es sogleich. Für die fehlenden extrem hohen Töne springt Techniker Marc A. Leopold ein.



Fotos: Annette Quast


Fazit: Wer gerne mal Oper hört, aber nicht viele Stunden in Abendgarderobe im Opernhaus verbringen möchte, und lieber lacht als schwer verständlichen italienischen Arien zu lauschen, der ist bei Opernkabarettistin Katharina Herb genau richtig. Die Diva der besonderen Art ist das perfekte Pendant zu Operncomedian Alexander Schattenberg aus Hamburg (Mrs Q stellte ihn als Künstler des Monats vor). Die beiden wissen voneinander, sind sich aber bis dato nicht persönlich begegnet. Wer weiß, was aus einem Kennenlernen der beiden Opernspezialisten vielleicht entstehen kann?!